Gesellschaftlicher Zusammenhalt

Ziel jeder Gesellschaft sollte sein, dass Menschen dauerhaft ohne Diskriminierung, soziale Benachteiligungen oder substanzielle Nöte in Frieden und in einem Gleichgewicht mit der Natur leben. Die Umgestaltung unserer Lebensweise hin zu Nachhaltigkeit und Regenerationsfähigkeit ist dringend notwendig für den Erhalt unserer Lebensgrundlagen und muss gleichzeitig sozial gerecht gestaltet werden, Auf Grundlage der Erfüllung aller Grundbedürfnisse, eines Bewusstseins für die Vielfalt der Gesellschaft, entsprechender Repräsentation und der Förderung von partizipativen Angeboten wollen wir einen Weg gehen, der nicht nur das 1,5-Grad-Ziel anvisiert. Wir wollen sowohl die Mitwirkung aller BürgerBürger an der Ausgestaltung der zukünftigen Gesellschaft gewährleisten als auch nachhaltige Strukturen etablieren, die allen BürgerBürger ein Leben in Würde und frei von Diskriminierung ermöglichen und zur Stärkung gemeinschaftlichen Denkens und Handelns beitragen.

Gleichberechtigung

Gleichberechtigung stärkt eine Gesellschaft weit über den sozioökonomischen Aspekt hinaus. Wir setzen uns für eine Politik der Gleichstellung aller Menschen unabhängig von Geschlechtsdefinition, Ethnie, Herkunft, sozialem Status, Religionsbekenntnis oder sexueller Orientierung sowie der Gleichberechtigung und Inklusion von Menschen mit Behinderung ein . Wir wollen dazu beitragen, dass die Vielfalt der Menschen in der Gesellschaft als Wert begriffen wird.

Wir treten auf politischer Ebene für eine angepasste Quotierung für Frauen, LGBTQIA, Menschen mit Behinderung sowie mit Migrationshintergund in allen Gremien, Delegationen sowie Verhandlungsgruppen und Konsultationsverfahren ein, damit Geschlechteraspekte in allen Entscheidungsprozessen stärker berücksichtigt werden. Die Verwendung geschlechtersensibler Sprache trägt dazu bei, das Bewusstsein für das bestehende traditionelle patriarchalische Ungleichgewicht in der Geschlechterrepräsentation zu schärfen und sollte daher in offiziellen Publikationen und Dokumenten Anwendung finden.

Lohngerechtigkeit

Frauen verdienten im Jahr 2021 im Bundesdurchschnitt 18 % (unbereinigte Gender Pay Gap) weniger als Männer mit teils erheblichen branchenspezifischen Unterschieden.https://de.statista.com/statistik/daten/studie/3261/umfrage/gender-pay-gap-in-deutschland/ Auch unter Berücksichtigung von lohnrelevanten Merkmalen wie Qualifikationsgraden, Alter und Arbeitszeitverteilung bleibt in der Bezahlung von Frauen und Männern bestehen (bereinigte GPG). https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1220561/umfrage/bereinigter-gender-pay-gap-in-deutschland/

Mangelnde Transparenz ist der Schlüssel zu einer ungerechten Bezahlung. Die Notwendigkeit einer individuellen Aufforderung zur Einsicht der Gehälter gleichwertig beschäftigter KollegKollegen durch ArbeitnehmerArbeitnehmer selbst ist für diese jedoch nicht zumutbar und unzureichend.https://www.bgbl.de/xaver/bgbl/start.xav?startbk=Bundesanzeiger_BGBl&jumpTo=bgbl117s2 Wir planen eine gesetzlich verankerte Pflicht auf gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit und die Festlegung einer Auskunftspflicht aller Unternehmen über die Höhe der Löhne von Männern und Frauen, die von Betroffenen sowie staatlichen Behörden einseh- bzw. abrufbar sein müssen nach dem Vorbild Neuseelands und Islands.https://www.globalcitizen.org/de/content/iceland-gender-equality-law-2018/ und https://www.fpi-lab.org/aktuell/fair-fairer-europa/ Wesentlich ist jedoch der Abbau struktureller Unterschiede in den Zugangsbedingungen zu Beschäftigung. Wir brauchen eine gesellschaftliche Aufwertung und höhere Bezahlung der Tätigkeiten in sozialen Berufen wie Pflege und Erziehung, die häufiger von Frauen ergriffen werden. Auch Zeit für Kindererziehung und Pflege wird häufiger von Frauen getragen und wirkt sich über Auszeiten und Teilzeitarbeit auf Erwerbstätigkeitszeit, Aufstiegschancen und gravierend auf Rentenansprüche aus. So lagen die Lebenszeiteinkommen von Frauen 2015 um 40 bzw. 45 % unter denen von Männern.https://www.rnd.de/politik/unterschiedliches-einkommen-frauen-verdienen-halb-so-viel-wie-manner-5ALJUBVKZRG67LKQUIWDYIW7WU.html Die unterschiedliche Lebensarbeitszeitverteilung zwischen den Geschlechtern muss angeglichen werden, indem durch einen flächendeckenden Ausbau von Betreuungsplätzen Frauen die Berufsausbildung stärker ermöglicht wird. Die Bemühungen vieler Unternehmen, bereits heute für ihre MitarbeiterMitarbeiter eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu ermglichen, müssen unterstützt und gefördert werden. Zudem muss häusliche Sorgearbeit, welche ebenfalls überwiegend von Frauen geleistet wird, in die Rentenberechnung wie Erwerbsarbeit einbezogen werden. In einer Neuorientierung der Lebensarbeit (Verweis) soll perspektivisch Sorgearbeit wie Erwerbsarbeit anerkannt und vergütet werden.

Antidiskriminierung, Antirassismus, Antifaschismus

Menschenwürde und Gleichwertigkeit sind für uns mit autoritären und antidemokratischen, rassistischen und faschistischen sowie anderweitig auf ethnische, soziale und rechtliche Ausgrenzung basierenden Ideologien unvereinbar. Sie verschleiern Konfliktlinien und Machtverhältnisse und verschärfen krisenhafte Entwicklungen, nicht zuletzt durch ihre Gewalttendenz in der politischen Auseinandersetzung. Etwa ein Viertel der deutschen Bevölkerung besitzen einen Migrationshintergrund, 11.8 Millionen Menschen sind AusländerAusländer.https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Migration-Integration/_inhalt.html Der Diskriminierung dieser Personen muss gegengesteuert werden, wenn wir den Zusammenhalt unserer Gesellschaft nicht gefährden wollen. Jede Art von Ungleichbehandlung – unabhängig davon, ob sie stark und deutlich oder subtil und unbewusst auftritt – schadet nicht nur einzelnen Personen, sondern schwächt den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Damit mindert Ungleichbehandlung die Handlungsfähigkeit der Gesellschaft.

Wir setzen uns für die Fortentwicklung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes zu einem Antidiskrimierungsgesetz mit vollständiger Umsetzung der europäischen Vorgabenhttps://www.antidiskriminierungsstelle.de/DE/ThemenUndForschung/Recht_und_gesetz/EU-Richtlinien/eu-Richtlinien_node.html ein zur Stärkung der Rechtssicherheit gegen unmittelbare und mittelbare Diskriminierung auf der Ebene von staatlichen Behörden, Verwaltung und öffentlich-rechtlichen Einrichtungen. Dieses muss u.a. die Auflegung und Evaluierung eines strukturierten Gleichbehandlungsprogramms, die Verlängerung der Beschwerdefrist und Verpflichtung von Behörden zur Unterstützung durch Erteilung von Auskünften und Stellungnahmen, die Strafbarkeit von Benachteiligungen aufgrund der Inanspruchnahme der Rechte, die sich aus diesem Gesetz ergeben sowie die Möglichkeit der Übertragung einer Prozessführungsbefugnis auf anerkannte Antidiskriminierungsverbände (einzelfallbezogene Verbandsklage) beinhalten.

Schutz vor Gewalt

40 % der Frauen haben seit ihrem 16. Lebensjahr körperliche oder sexuelle Gewalt erlebt.https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/studie-lebenssituation-sicherheit-und-gesundheit-von-frauen-in-deutschland-80694 Trotz sinkender Gesamtzahl registrierter Gewaltdelikte haben Fälle von gegen Frauen gerichteter Gewalt seit 2015 zugenommen.https://www.bka.de/SharedDocs/Downloads/DE/Publikationen/JahresberichteUndLagebilder/Partnerschaftsgewalt/Partnerschaftsgewalt_2019.html;jsessionid=E0FDA80A112DAE2D1F9EBB4821674F24.live0611?nn=63476 Es ist davon auszugehen, dass die gemeldeten Zahlen nur einen kleinen Teil der tatsächlichen Fälle darstellen. Zudem hat sich die Situation während der Corona-Pandemie noch einmal verschärft, was sich am starken Anstieg der Beratungsfälle erkennen lässt. Gerade die innerfamiliären Belastungen während der pandemiebedingten Einschränkungen haben ein häusliches Gewaltpotential deutlich hervortreten lassen. Die Möglichkeit für für Opfen von gewaltbelasteten Beziehungen zu entkommen, soll durch die finanzielle Förderung von Schutzhäusern für alle betroffenen Personen ausgebaut werden.https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1120284/umfrage/empfohlenen-und-tatsaechlich-vorhandenen-betten-in-frauenhaeusern/9

Jegliche Gewalt muss als solche in allen Bundesländern länderübergreifend erfasst und strafrechtlich verfolgt, sowie anonym veröffentlicht werden.

Ein lokales Monitoring muss verpflichtend werden, das Übergriffe aufgrund der sexuellen Orientierung erfasst.

Wohnortnahe Beratungsmöglichkeiten und Opferhilfeeinrichtungen müssen – insbesondere durch personelle und finanzielle Mittel – gefördert und eine bedarfsgerechte, einzelfallunabhängige Finanzierung dauerhaft sichergestellt werden.

Inklusion

In Deutschland lebten 2017 ca. 13 Mio. Menschen mit einer Beeinträchtigung oder Behinderungen. Ihre Familienangehörigen eingeschlossen bilden sie einen großen Teil unserer Bevölkerung. https://de.statista.com/themen/8315/soziale-inklusion/#dossierContents__outerWrapper

Wir setzen uns dafür ein, dass Menschen mit Behinderungen stärker als bisher an allen Aspekten des gesellschaftlichen Lebens teilhaben können, die hierfür notwendige Barrierefreiheit sollte in einem modernen Land eine Selbstverständlichkeit sein. Besonders zentral sind dabei die Aspekte von inklusiven Schulkonzepten und Barrierefreiheit – sowohl im Verkehr als auch in öffentlichen Gebäuden – sowie die freie Wahl der Wohnform, der Zugang zum Arbeitsmarkt und zum gesellschaftlichen Leben. In Zusammenarbeit mit Selbstvertretungsverbänden, der Bundesfachstelle Barrierefreiheit und Behindertenbeiräten sowie sozialen Initiativen soll umfassende, multifaktorielle Konzeption von Barrierefreiheit in allen Lebensbereichen erarbeiten, die über reine bauliche Anpassungen hinausgeht. Insbesondere im Bereich der Digitalisierung muss eine gesetzliche Regelung geschaffen werden, damit bereits im Vorfeld Barrierefreiheit für digitale Strukturen mit eingearbeitet wird.


Förderschulen für Kinder mit Behinderungen sollen aufgrund des teilweise spezifischen Förderbedarfs erhalten, auf lange Sicht sollen Schulen jedoch inklusiv gestaltet werden. Die Kinder sollen gemeinsam mit den anderen in eine Schule gehen können, aber weiterhin speziell auf ihre Bedürfnisse abgestimmt geschützte Räume haben. Parallel sollen die Weiterbildung der LehrerLehrer auf dem Gebiet der Inklusion und die Ausbildung auf Förderschullehramt ausgebaut werden. Des Weiteren soll Gebärdensprache an Grundschulen unterrichtet und an weiterführenden Schulen als Wahlfach angeboten werden, um den massiven, sozialen Einschränkungen Hörgeschädigter entgegenzuwirken.

Humane Asyl- und Migrationspolitik

Die Bewältigung der Klimakrise bedeutet für uns gleichzeitig die Bekämpfung einer der wesentlichen Ursachen für Kriege und Flucht. Die Unterstützung von Entwicklungsprozessen und Klimaschutzmaßnahmen in den Herkunftsländern ist Teil der Klimagerechtigkeit. Nichtsdestotrotz ist zu erwarten, dass in den kommenden Jahrzehnten vermehrt Menschen aufgrund der Klimakrise und der mit ihren Auswirkungen einhergehenden Konflikte in EU-Staaten Zuflucht suchen. Wir bekennen uns zu der Pflicht und Verantwortung zur Solidarität gegenüber Menschen, die Schutz vor Krieg, Verfolgung, Terrorismus und Hunger suchen .

Wir planen eine Vereinfachung der Einwanderungswege und eine Erleichterung des Aufnahmeprozesses sowohl für Asylsuchende bzw. MigrantMigranten als auch für die Behörden durch eine Zweiteilung nach:

  1. Asylrechtsfragen mit Verfahrensberatung, Organisation von qualifizierten DolmetscherDolmetschern und Sprachkursen und juristischer Beratung sowie bedarfsgerechte psychologische und medizinische Versorgung, insbesondere für minderjährige Geflüchtete, Frauen und LB.
  2. Migration und Integration mit Organisation des Zugangs zu Sprachkursen, Schul- und Berufsausbildung und Qualifizierungsmaßnahmen, juristischer Beratung, Einführungsinformationen zu gesellschaftlichen Verhältnissen sowie Beratung zu Sozialsystem und Arbeitsrecht. Um MigrantMigranten Selbstbestimmtheit und eine eigenständige Lebensführung zu ermöglichen, sollen Selbstvertretungsorganisationen gefördert und in Entscheidungen zur Integrationspolitik einbezogen werden. Rechtliche Anlaufstellen im Bereich Migration werden gemeinsam mit Flüchtlingsunterkünften personell und finanziell aufgestockt. Wir befürworten eine dezentrale Unterbringung mit Nähe zu Strukturen der Versorgung und Sicherheit statt isolierter zentraler Flüchtlingsunterkünfte, die Integration erschweren und gesundheitliche und psychische Belastung darstellen. Abschiebungen sind bei bereits erfolgter Integration (Schule, Ausbildungsplatz, Beruf) und bei Minderjährigen und Familienangehörigen dauerhaft auszusetzen. Abschiebungen in Krisengebiete und Abschiebehaft lehnen wir ab.

Der Erwerb der Landessprache und damit der rasche Zugang zu Sprachkursen ist ein wichtiger Ausgangspunkt für eine erfolgreiche Integration und Teilhabe an der Gesellschaft und damit den Zugang zu Arbeit, Ausbildung, Perspektive und ein Leben ohne staatliche Unterstützung. Kinder sollten sofort in das Schulsystem aufgenommen werden. Im Ausland erworbene Ausbildungen, Berufsabschlüsse und Berufserfahrungen sollen durch flexible Zusatzausbildungen und Prüfungen leichter anerkannt werden, um eine Integration in den Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Unis sollen z. B. Masterstudienplätze für Menschen anbieten, deren Ausbildungen nicht ganz kompatibel sind mit den Erfordernissen im Land, damit diese in kurzer Zeit nachholen können was ihnen für eine vollständige Qualifikation fehlt. Eine darüber hinaus gehende Werbung um ausländische Fachkräfte, auf die das Fachkräfteeinwanderungsgesetz abhebthttps://www.bamf.de/SharedDocs/Meldungen/DE/2020/20200301-am-fachkraefteeinwanderungsgesetz.html?nn=282388 lehnen wir dagegen ab, da auf diese Weise unser Fachkräftemangel, der im Wesentlichen auf unattraktiven Arbeitsbedingungen beruht, in wirtschaftlich schlechtergestellte Länder exportiert wird. Wir fordern stattdessen eine gerechte Bezahlung, bessere Ausbildung mit mehr Kompetenzen und menschenwürdige Arbeitsbedingungen, um die Arbeit für bereits qualifizierte Menschen im Land attraktiver zu gestalten und Abwanderung zu verringern.

Reform des Verfassungsschutzes

Gemäß BVerfSchG besteht die Aufgabe des Verfassungsschutzes in der Vorfeldaufklärung über Bestrebungen u.a. gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung, die Sicherheit des Bundes oder eines Landes, jedoch ohne polizeiliche Funktion. Gerade in diesem Zusammenhang hat er sich jedoch insbesondere durch die Tätigkeit von sog. V-Leute ** wiederholt als eigenes Problem präsentiert. Für den Schutz der BürgerBürger vor terroristischen oder gewaltsamen Handlungen sind laut Verfassung die politischen Abteilungen der LKA und das BKA zuständig, die das Recht und die Pflicht haben, im Umfeld von Terroristen und politischen Gewalttätern polizeilich, ggf. verdeckt ermitteln zur Aufklärung von Terroraktionen sowie zu deren Verhinderung. Hauptaufgabe des Verfassungsschutzes ist dagegen die Beobachtung von "extremistischen Menschen" , was jede/n erfasst, der die freiheitlich-demokratische Grundordnung abzulehnen scheint oder extremistische Gruppen unterstützt, die Dokumentation "extremistischer“ Bestrebungen und die Ausspähung der Mitglieder und SympathisantSympathisanten solcher Gruppen mit dem Ziel, ihnen "extremistische“ Betätigungen nachzuweisen. Dies ist v.a. problematisch, wenn er darüber hinaus über Einstufungen als Zensurbehörde auftritt und mit entsprechenden Befugnissen ausgestattet wird. Die Dokumentation von politischem Extremismus erfolgt effektiv über Forschungsinstitute, Thinktanks oder Bürgerinitiativen, die hierfür staatliche Fördermittel erhalten müssen. Wir halten an einer polizeiunabhängigen Vorfeldaufklärung fest, diese muss jedoch unabhängig und klar durch demokratische Institutionen kontrolliert erfolgen und darf keine Befugnisse zur Informationsweitergabe gegenüber Dritten besitzen. Der Verfassungsschutz bedarf diesbezüglich einer tiefgreifenden Reform.

Ausbau des Katastrophenschutzes

Die Klimakrise führt zu einer höheren Wahrscheinlichkeit sowie stärkeren Ausprägung von Unwetterkatastrophen in Deutschland und Europa – Dürren, Starkregen und Hochwasser sind dabei die drei häufigsten Folgen der Klimakatastrophe.https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/5750/publikationen/2021-06-10_cc_26-2021_kwra2021_kurzfassung.pdf

Zudem können mehrere Ereignisse gleichzeitig auftreten bzw. länderübergreifend Gebiete betroffen sein. Dies macht eine Ausweitung von Katastrophenschutzmaßnahmen mit zentraler Koordination notwendig mit einer Gesamtstrategie aus baldigen und wirksamen Klimaschutz als Grundvoraussetzung, Maßnahmen zur Klimafolgenanpassung, Ausbau von konkreten Katastrophenschutzmaßnahmen (wie z. B. Entsiegelung und Schwammstädte) sowie Stärkung der Resilienz im Katastrophenfall.

Klimaanpassungsmaßnahmen

Die Forschung zur Entwicklung und Vorhersage von Extremwetterereignissen muss verstärkt werden, was die dauerhafte Sicherstellung der Datenauswertung und Analysekapazitäten einschließt. Durch digitale Simulationen von Katastrophenszenarien (Digital Twins) mit Integration präventiver Maßnahmen in den Städtebau können Möglichkeiten der Digitalisierung sinnvoll genutzt werden.https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/1410/publikationen/2019-05-29_texte_55-2019_starkregen-stadtentwicklung.pdf Die Risikoanalyse muss ebenso einschließen, dass Schutzmaßnahmen sich nicht untereinander behindern, z. B. Hochwasserschutzmaßnahmen nicht zur Verschärfung von Dürreperioden und umgekehrt beitragen. In Baurecht, Bundesnaturschutzgesetz und Landesplanung sind rechtliche Grundlagen zu schaffen, um Bautätigkeit in Gefahrengebieten zu begrenzen und sowie ökologisch und sozial zu gestalten.

Es soll eine Boden-Kommission zur raschen Erarbeitung einer gemeinwohlorientierten Bodenpolitik eingerichtet werden, um notwendige Anpassungsmaßnahmen zügig vornehmen zu können (Stärkung des kommunalen Vorkaufsrecht, Konkretisierung der Sozialpflichtigkeit und Begrenzung des nicht eigengenutzten (Boden)eigentums im Städtebaurecht).https://www.bund.net/fileadmin/user_upload_bund/publikationen/klimawandel/Klimaschutz_Forderungen_Duerren_und_Hochwasser_16_Punkte.pdf Durch bauliche Maßnahmen muss die Versickerungsfähigkeit in städtischen Gebieten gesteigert werden, z. B. durch Entsiegelung und Umwidmung von Park- und Waldflächen, keine weitere Versiegelung ohne Ausgleichsflächen und Entwicklung von Konzepten für die Fähigkeit, Wasser in Städten zu speichern und verzögert wieder abzugeben (Schwammstädte), was insbesondere in Hochwasserentstehungsgebieten gem. §78d Wasserhaushaltsgesetz umgehend umgesetzt werden muss.

Ein umfangreiches Renaturierungsprogramm von Flussläufen und Flussauen, einschließlich Wiederbewaldung insbesondere von ungenutztem Agrar- und Weideland ist erforderlich, um Überflutungsflächen zu schaffen und Flussströmungen zu verlangsamen sowie eine gleichmäßigere Wasserfüllung zu erreichen, zudem wird hierdurch eine Stärkung von Biodiversität und CO2-Aufnahme erreicht. Um die Speicherung von Oberflächen- und Bodenwasser in der Landschaft zu erhöhen, muss die Bodenverdichtung und -bearbeitung reduziert und eine ganzjährige Bodendeckung zum Erhalt der Bodenstruktur und Wasserspeicherungskapazität ermöglicht werden. Die Möglichkeit der Anordnung entsprechender Maßnahmen ist durch Ergänzung §17 Abs. 2, 3 BBodSchG erforderlich. Zusätzliche Waldflächen können zudem einen Teil der durch den Klimawandel zurückgehenden Niederschläge ausgleichen, wobei sich die Effekte regional unterscheiden.https://www.nature.com/articles/s41561-021-00773-6.pdf Mindestens 10 % der Waldfläche sollen als dauerhafter Naturwald ausgewiesen und ein Waldumbau hin zu naturnahen Laubwäldern insbes. von Hanglagen zum Schutz des Bodens eingeleitet werden. Im Bundeswaldgesetz soll eine schonende Waldbewirtschaftung festlegen werden.

Drainagen müssen wo möglich rückgebaut, ggf. durch kontrollierte Dränung ersetzt werden und Neugenehmigungen dürfen nicht mehr erteilt werden. Das Bergrecht muss dergestalt angepasst werden, dass Eingriffen zum Rohstoffabbau kein Vorrang mehr gegenüber ggf. erforderlichen Klimaschutzmaßnahmen erteilt werden darf. Der weitere Ausbau von Flüssen für die Schifffahrt z. B. mittels Staustufen muss beendet werden, da bei häufiger auftretendem Niedrigwasser in den Flüssen der Landschaftswasserhaushalt beeinträchtigt und Trockenheit begünstigt wird.